"Wir weigern uns Feinde zu sein"

Ausstellungen 2012/13 über das Friedenszentrum "Tent of Nations" bei Bethlehem

(1) Einführung

 P01 Poster Ich schaue dich an, Du schaust mich an

L03 Poster Wir weigern uns Feinde zu sein

Ausstellung begleitender Text Teil 1 Ausstellung begleitender Text Teil 4 Herzmalende Kinder bei Tent Of Nations


Dennoch muss die Familie Nassar jedes Jahr aufs Neue um den Erhalt ihres Besitzes kämpfen, denn den israelischen Siedlern aus den fünf illegalen Siedlungen um den „Weinberg“ herum ist dieser „Weinberg“ ein Dorn im Auge und ein begehrens-wertes Objekt, dessen sie sich mit allen schäbigen Mitteln bemächtigen wollen. Am Eingang des Geländes befindet sich ein mittlerer Felsbrocken, auf ihm steht in Arabisch, Englisch und Deutsch:

WIR WEIGERN UNS FEINDE ZU SEIN
.
Das ist das Programm des „Weinbergs“ und seiner Bewohner, nämlich auf alle Schikanen von israelischer Seite mit friedlichen Mitteln zu antworten. Und so besteht eine enge mentale Verbindung zur Geburtskirche in Bethlehem, in der sich die Grotte befindet, in der Jesus geboren worden sein soll, der nie eine Waffe in die Hand genommen hat.In seinem Geiste hat D. Nassar z. B. israelischen Soldaten, die bewaffnet nicht nur auf sein Gelände, sondern bis an sein Bett vorgedrungen waren, weil sie „nach dem Rechten schauen wollten“, geantwortet, dass er jetzt nach arabischer Sitte einen Tee bereiten würde, damit sie sich in Ruhe unterhalten könnten, was nach zweimaliger Aufforderung auch geschah.
Auf diesem „Weinberg“ , einem ökumenischen Friedenszentrum namens „Tent of Nations“, bekannt inzwischen in vielen Ländern, holen sich ca. 5000 Menschen pro Jahr Inspirationen, diskutieren, pflanzen Olivenbäume und kehren verändert wieder heim.

Malaktion Herzbaum Tentof Nations Seit dem Jahr 2000 veranstaltet das Ehepaar Nassar u. a. ein 14-tägiges Sommercamp für die palästinensischen Kinder /Jugendlichen der Umgebung. Freiwillige aus aller Welt bringen diesen jungen Menschen ein Stückchen „Welt“ in ihr eingeschränktes, weithin perspektivloses Leben, indem sie mit den jungen Menschen spielen, Musik machen, Theater spielen, ihnen zuhören, ihren Horizont erweitern, sie ermutigen. Nicht nur die monströse Trennmauer schränkt sie ein, sondern auch das Fehlen von Schwimmbädern, Sportplät-zen und anderen Freizeiteinrichtungen, außerdem die wirtschaftlichen Restriktionen, denen die ganze besetzte Westbank unterliegt.




Dieser „Weinberg“ ist ein Begegnungs- und Ermutigungszentrum für viele Menschen guten Willens!
Nicht nur Bildungskurse für die unter der Besatzung leidenden Frauen hat die Familie Nasser bereits etablieren können, sondern sie kämpft seit mehreren Jahren auch für die Einrichtung eines landwirtschaftlichen und handwerklichen Schulungszentrums für die palästinensische Bevölkerung.

Nur aus dem Frieden zwischen Zweien und Dreien
kann der große Frieden erwachsen,
auf den wir hoffen

D. Bonhoeffer




(2) Zur Gesamtsituation

P10 UNO-Karte Juli 2011 P08 Verlauf Sperrmauer L01 Sperrmauer II L02 Sperrmauer III Malaktion an der Sperrmauer in Bethlehem JüdSiedlungHinterMauern02 Im Jahr 2003 begann die israelische Regierung mit der Errichtung einer Sperranlage. Größtenteils besteht sie aus einem elektronisch gesicherten Zaun, teilweise aus einer acht Meter hohen Betonmauer. Die Grenze verläuft überwiegend auf palästinensischem Gebiet, also jenseits der Waffenstillstandslinie von 1948. Damit werden viele jüdische Siedlungen, die auf palästinensisches Gebiet gebaut wurden, an das israelische Kernland angeschlossen sein. Palästinensische Siedlungen werden teilweise so von drei Seiten umschlossen, Bauern von ihren Feldern abgeschnitten. Einzelne jüdische Siedlungsblöcke schieben sich bis ca. 20 km tief ins palästinensische Kernland. Nach israelischer Sicht-weise soll durch die Sperranlage das Eindringen von Selbstmordattentätern auf israelisches Territorium verhindert werden. Von palästinensischer Seite wird befürchtet, dass Israel entlang der Sperranlage einseitig seine neue Außengrenze festlegen will.

Der Friedensprozess von Oslo brachte für die Menschen im Westjordanland eine Aufteilung in drei verschiedene Zonen: Das A-Gebiet steht unter palästinensischer Zuständigkeit, das B-Gebiet unter israelisch-palästinensischer und das C-Gebiet unter rein israelischer Kontrolle. Bethlehem ist unter palästinensischer Kontrolle, Dahers Weinberg ganz unter israelischer. Der Bau von jüdischen Siedlungen in der C-Zone schreitet kontinuierlich voran, mittlerweile sind 15% der Bevölkerung israelisch-jüdische Staatsangehörige. Palästinenser und auch israelische Friedensorganisationen, sowie eine Minderheit in der israelischen Bevölkerung meinen, die Siedlungen seien gebaut worden, um vor einem Friedensvertrag, der die palästinensische Unabhängigkeit bringen würde, Tatsachen zu schaffen, oder diesen sogar zu verhindern. Sie bezichtigen die Siedler des Diebstahls von Land, das den Palästinensern gehört. Die Vereinten Nationen, verschiedene Regierungen weltweit, eine israelische Minderheit und viele nichtstaatliche Organisationen sehen die Siedlungen als völkerrechtswidrig und friedensverhindernd an. Auch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland fordert die israelische Regierung auf, alle Siedlungsaktivitäten ohne Verzug einzustellen. Der Siedlungsbau sei völkerrechtswidrig und durch nichts zu rechtfertigen. Auch die UN vertritt die Position, wonach der israelische Siedlungsbau gegen Völkerrecht verstoße. Dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wird von den Vereinten Nationen, den USA und der Europäischen Union vorgeworfen, die Bemühungen für eine Wiederbelebung der Friedensverhandlungen durch den beschleunigten Siedlungsbau zu untergraben.

Rund um Dahers Weinberg wurden jüdische Siedlungen gebaut mit großen Mauern drum herum, eigenen Zufahrtsstraßen, mit Strom und Wasser ausgestattet. Daoud Nassar hingegen bekommt keinerlei Baugenehmigung, keinen Anschluss an das Strom- und Wassernetz; im Gegenteil, alles wird versucht, um ihn zum Aufgeben zu zwingen. Immer mehr Straßen werden vom israelischen Militär kontrolliert – es gibt Checkpoints, Straßensperren und spontan eingerichtete Kontrollpunkte, die für Palästinenserinnen und Palästinenser große Unannehmlichkeiten mit sich bringen (stundenlanges Warten, Totalsperrung, Willkür, Erliegen des Warentransportes, Verlust von Arbeitsplätzen, kein Zugang mehr zu eigenen Feldern).
Daoud Nassar und seine Familie müssen befürchten, bald vollkommen abgeschnitten zu sein. Der israelische Staat hat großes Interesse am Weinberg.
Um die benachbarten israelisch-jüdischen Siedlungen miteinander und dem Kernland Israel verbinden zu können, soll auch der Weinberg von Daoud israelisches Land und entsprechend bebaut werden. Daoud beschreibt vier Strategien, die angewendet wurden und werden, mit dem Ziel sein Land zu konfiszieren: Den juristischen, den physischen und den finanziellen Druck, sowie die Isolierungstaktik. Konkret bedeutet das: Daoud musste hunderttausende Dollar aufbringen für Gerichtskosten und Anwälte. Es entstanden immense Kosten durch verschiedene Gebühren, die erhoben wurden, jüdische Siedler zerstörten Olivenbäume auf seinem Grund, ein riesiger Felsbrocken lag plötzlich auf seiner Zufahrtsstraße. Daoud lässt sich davon nicht beeindrucken. Er hält dem Druck stand, auch dank internationaler Freundschaften und Kontakte, und dank eines unerschütterlichen Glaubens.



(3) Die nähere Umgebung des Weinbergs (= Ort von Tent of Nations)

Weinbergumgebung P09 Blick auf jüd. Siedlungen) Solaranlage,Wasserbeh&aumlter,Blick auf Siedlungen L04 Blockierte Auffahrt zum Weinberg(Tent Of N.)





























(4) Begegnungen und Projekte auf dem Weinberg (Auswahl)
    (a) Malprojekte während eines Sommercamps

L06 Malaktion Auffahrt Tent of Nations L08 Malaktion Auffahrt von Tent of Nations L11 Malaktion Logo Herz Hände auf
	     dem Weinberg Malaktion Logo Herz Hände auf dem Weinberg Malaktion auf dem Weinberg Tent of Nations Malaktion auf dem Weinberg Tent of Nations Malaktion auf dem Weinberg Tent of Nations Malaktion auf dem Weinberg Tent of Nations Höhlenkapelle: Kinder auf die Sitzumrandung gemalt Versammlungshöhle auf dem Weinberg Steinmalaktion Sommercamp P11 Sommercamp Fam. d. Leiters u. internationale Helfer

    (b) Sonstiges

Sommercamp Kreisspiele Sommercamp Abschlussveranstaltung Internationale Begegnungsprogramme Frauenarbeit Landwirtschaftliche Kurse



(5) Ein Einsatz von Rupert Neudeck (Gründer von GRÜNHELME) - Eine typische Erfahrung

Rupert Neudeck 2010 bei Tent of Nations www.gruenhelme.de
Wer die Solaranlage zerstört, kann nicht Frieden wollen

Das Projekt der GRÜNHELME auf dem Weinberg von „Tent of Nations“ in Palästina in höchster Gefahr - Intervention des MdB R. Polenz und des deutschen Außenministers

Samstag, 29.05.2010

Das hätten wir uns nicht vorstellen können: Als wir am 3. Februar 2010 auf dem Weinberg Daher die von den GRÜNHELMEN gespendete und von Thomas Just und Fabian Jochem installierte Solaranlage eingeweiht und eröffnet hatten, hatten wir im Beisein des deutschen Diplomaten Schlaudraff aus dem deutschen Verbindungsbüro in Ramallah und des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages Ruprecht Polenz, einem TV-Team des ZDF und dem ARD-Hörfunkkorrespondenten Clemens Verenkotte sowie des Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung Peter Münch nicht nur die Solaranlage bewundert. Wir waren uns auch so sicher, dass das ein Ort der Zukunft ist für Israelis und Palästinenser, so dass wir hier noch eine weitere Initiative starten lassen sollten: Das „Nelson Mandela Vocational Centre“.

Solaranlage u. Wasserbeh&aumlter Dabei war auch der Leiter der altehrwürdigen Traditionsschule Talitha Kumi, Dr. Georg Dürr, der in seiner Rede versprach, diesen Plan ausdrücklich zu unterstützen.

Die Idee war, auf dem Berg zwei Lehrwerkstätten aufzubauen, ein Internat zur Unterbringung von palästinensischen Lehrlingen, ein Lehrerwohnheim, eine Mensa und einen Speisesaal. Wir wollten uns spezialisieren auf die Ausbildung von Elektrotechnikern, Solar-Technikern, Klempnern, Auto-Mechanikern, um der Jugend in Palästina neben der akademischen Karriere auch eine in den Berufen zu ermöglichen, die dem Lande in der Zukunft dienen kann. Zu diesem Zweck bin ich selbst noch einmal nach Palästina und Israel geflogen (6. bis 12. Mai) und habe mit Daoud Nassar schon erste Messungen auf dem Berg gemacht, wir haben ein Gelände ausgegrenzt, das für das NMVC, die Nelson Mandela Berufsschule gedacht und vorgesehen ist.

Der Abgeordnete Ruprecht Polenz (CDU Münster) hat den palästinensischen Premierminister Salam Fayad bei seinem Besuch in Berlin (18./19.05.) auf Einladung der Bundesregierung von diesem Projekt informiert und ihm einen Brief der GRÜNHELME übergeben.

Das alles will Israels Regierung zunichte machen. Am 26. Mai nachmittags kamen Beamte der israelischen Zivilverwaltung in Begleitung von Soldaten der Israel-Armee auf diesen friedlichsten Platz, den ich in Palästina kenne, um dem Besitzer des Berges, unserem Partner Daoud Nassar, eine in hebräischer Sprache ausgeschriebene Zerstörungsorder zur Unterschrift zu übergeben: Neun sog. „Gebäude“, die ohne ausdrückliche Genehmigung der Militärbehörde auf dem Berg entstanden waren, sollte Daoud Nassar selbst zerstören, andernfalls werden am Sonntag (30. Mai) die Bulldozer der Militärbesatzung diese Zerstörung vornehmen. Es handelt sich dabei um die Zelte, das Vordach vor dem einen schon existierenden Haus (mitsamt unserer Solaranlage), die Tierställe, die Wasser-Zisterne, zwei ausgebaute Höhlen auf dem Berg und einen Metallcontainer, der nur auf den Berg gebracht und dort aufgestellt war als Büro des von der Bundeskanzlerin lobend erwähnten Begegnungsprojektes „Tent of Nations“.

Wir hatten am 29. März eine Antwort bekommen auf unseren Brief an die deutsche Bundeskanzlerin, in dem wir die Kanzlerin gebeten hatten, die guten Beziehungen zur Regierung in Israel für die Baugenehmigung für die Lehrwerkstätten zu nutzen.

In dem Brief heißt es: „Für die geplante Einrichtung einer Lehrwerkstatt mit angeschlossenem Internat rate ich Ihnen, auf Grundlage eines konkreten Projektvorschlages eine Baugenehmigung bei der israelischen Militärverwaltung zu beantragen.“ Und weiter heißt es: „Die Begegnungsstätte‚ `Tent of Nations‘ ist in der Tat ein bemerkenswertes Projekt, dem ich auch für die in Zusammenarbeit mit der Talitha Kumi Schule geplante Einrichtung zur beruflichen Bildung Erfolg wünsche“.

Die Grünhelme hatten am 26. Mai in Bielefeld eine Beratung mit der „Heimstatt für Tschernobyl“- Organisation von Dietrich von Bodelschwingh, der sich mit seiner Organisation für dieses Projekt bereit erklärt hatte.

Nun hat die israelische Behörde dieses Vorhaben erst mal tatkräftig gestört und behindert. Ob die Zerstörungs-Order noch aufgehalten werden kann?

Der Abgeordnete Ruprecht Polenz (selbst im Kuratorium der Grünhelme) hat sofort noch am 28. Mai in Briefen an den israelischen Botschafter Yoram Ben-Zeev und an den deutschen Außenminister Westerwelle um sofortige Intervention zugunsten des Projektes gebeten, das ausschließlich der Verständigung der Völker und dem Frieden diene.

Wie wir gestern von unserem Abgeordneten Polenz hörten, soll vom Auswärtigen Amt schon angeordnet sein: Intervention sowohl der deutschen Botschaft in Tel Aviv wie des Verbindungsbüros der Bundesregierung in Ramallah.

Eine Regierung, die sich zu solchen Zerstörungen in einer Zeit entschließt, wo sie nach der Kairo-Rede von Präsident Barak Obama erst mal selbst mit dem Bau von illegalen Siedlungen Schluss machen sollte, will keinen Frieden.

Rupert Neudeck




(6) Statistik der Ausstellung
     Anzahl der Objekte:
     ca. 25 Leinwände 40 cm x 60 cm
     ca. 20 Poster 50 cm x 75 cm, davon ca. 8 Textposter